Weinende Brücke Wien - Eine Erinnerung an italienische Zwangsarbeiter


Während des ersten Weltkriegs stieg die Zahl der Bahntransporte durch Wien dramatisch an. Dies brachte die Fahrpläne vor allem auf in Friedenszeiten bereits stark belasteten Strecken ständig durcheinander.

Im November 1915 bat das Eisenbahnministerium um Verwirklichung der bereits seit Jahren angedachten und projektierten Verbindung zwischen Nordbahn und Nordwestbahn in Floridsdorf.
Das Bauvorhaben wurde als kriegswichtig eingestuft und - auch durch den Einsatz mehrerer tausend italienischer Kriegsgefangener - im Jahre 1916 binnen weniger Monate umgesetzt.

Dadurch wurde dieser Streckenabschnitt im Volksmund 'Italienerschleife' genannt.

wander bertonigueterzug der oebb

 

 

 

 

 

 

 


Die folgenden rund 80 Jahre hatte die Floridsdorfer Hochbahn eine wechselnde Geschichte, zum Beispiel auch eine teilweise Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht bei ihrem Abzug 1945.

Nachdem in den Jahrzehnten danach immer wieder an der Strecke gebaut wurde, beschlossen die ÖBB, Bund und Land Wien in den 1990er Jahren die endgültige Revitalisierung.
Dies wurde auch umgesetzt und der Bahnabschnitt 1999 feierlich eröffnet.

ein mahnmal von wander bertoni


Zur Erinnerung an die italienischen Kriegsgefangenen wurde von Professor Wander Bertoni die 'Weinende Brücke' geschaffen, 'Ein Mahnmal für die Zukunft' ...
Sie befindet sich im Bereich der Schnellbahnstation Siemensstraße in Floridsdorf.

Gedanken zur Skulptur der 'Weinenden Brücke':

  • Wie ein Regenbogen ragen zwei Arme zueinander, die jedoch am Zenit jäh abbrechen. Sie enden in zwei stürzenden Tränen, Augen und Totenschädel gemahnen an all das Leid.
    Der untere Teil des Kunstwerkes wird von einer geschlossenen Bogenreihe gebildet. Daraus fließen zwei abstrahierte Wasserwellen, die Kontinuität des Lebensstromes.
    Der dritte untere Brückenteil, der als Basis dient, soll eine Spiegelung der oberen Brücke sein und eine neue künstlerische Dimension ergeben.
    So wird das Heil, das Leid und die schöpferische Kraft der Brücke ausgedrückt.
  • Prof. Wander Bertoni

Professor Bertoni kam als Zwangsarbeiter 1943 nach Österreich, studierte nach dem Krieg an der Akademie der bildenden Künste und ist einer der angesehensten Bildhauer des Landes.
Das Bezirksmuseum Floridsdorf präsentierte von Dezember 2016 bis März 2017 die sehenswerte Ausstellung '100 Jahre Floridsdorfer Hochbahn'.
Die oben zitierten Gedanken stammen von einem Plakat dieser Ausstellung.