Das Parlament und die Burg in Bratislava ...Das Parlament und die Burg in Bratislava


Der Burgberg in Bratislava wurde schon in der Jungsteinzeit besiedelt.

Der markante Bergrücken, 85m über der Donau, bot seinen Bewohnern einen guten Überblick über den darunter liegenden Fluß, die Furt und das Tiefland.
Auf diese frühen Siedler folgten Kelten, Römer, Slawen, Germanen, Ungarn, ...

Nach anfänglichen Holzkonstruktionen wurde um die erste Jahrtausendwende begonnen, die Anlage in Stein auszuführen.
Die ungarischen Arpaden bauten die Burg dann als Grenzfestung immer weiter aus.

Sigismundtor der Burg von Bratislava ...Ihren charakteristischen Grundriß bekam sie in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch einen Umbau des ungarischen Königs und römisch-deutschen Kaisers Sigismund von Luxemburg.
Das annähernd original erhaltene Sigismundtor mit seinem gotischen Spitzbogen an der Südostseite der Anlage erinnert an ihn.

Nachdem sich das Aussehen der Burg durch die ständigen Umbauten der jeweiligen Herrscher immer wieder verändert hatte, erhielt sie während der Regentschaft des Habsburgers Ferdinand I. annähernd ihre heutigen Umrisse.
Da dieser nach dem ersten Türkenkrieg nur den Westteil des Königreichs Ungarn halten konnte und der Osten samt der Hauptstadt Buda von den Türken besetzt war, verlegte er den Regierungssitz Ungarns auf die Burg nach Pozsony, so der ungarische Name Bratislavas.
Diese wurde dem damaligen Renaissancestil entsprechend adaptiert und ausgebaut.

Unter dem königlichen Statthalter Graf Palffy sollte die Festung fast 100 Jahre später eine gewaltige Wehrburg werden, was aber nur zum Teil gelang.Denkmal des Swatopluk am Ehrenhof vor der Burg in Bratislava ...
Die bestehenden Gebäude wurden um ein Stockwerk erhöht, zwei Türme angebaut und fertig war die Form des umgedrehten Tisches, wie wir die Burg heute kennen.
Am Burgberg kam noch ein Gartenpalast des Grafen dazu, die anderen Vorhaben unterblieben.

Der nächste größere Umbau folgte unter Maria Theresia, die die Stadt liebte und die  Burg zu einem prächtigen Wohnpalast im Stile des Rokoko machte, die sogenannte Theresienburg.
Das Hauptaugenmerk der Arbeiten wurde auf die Innenraumgestaltung gelegt.
Im Außenbereich entstanden lediglich zwei barocke Wachhäuser vor dem Haupttor der Burg, die gemeinsam einen Ehrenhof bilden.
Auf der Westseite wurde ein zweiflügeliges Gebäude angebaut, ein Beamtentrakt.

Ihr Sohn, Kaiser Joseph II., hatte kein wirkliches Interesse an der Stadt und verlegte den Regierungssitz des Königreichs Ungarn wieder zurück nach Buda.
Damit verlor auch die Burg an Bedeutung, wurde 1802 zur Kaserne umfunktioniert und brannte 1811 komplett aus.
Verursacher des verheerenden Brandes waren vermutlich unaufmerksame Soldaten, ... Alkohol, ...?

Der Beschluß zur Renovierung der Burgruine erfolgte erst Anfang der 1950er Jahre und es sieht gut aus für die völlige Wiederherstellung, sehr gut sogar ...

Heute befindet sich eine Außenstelle des Slowakischen Nationalmuseums, das Historische Museum mit der Schatzkammer, in der Burg, Repräsentationsräume, Regierungsstellen und ein Restaurant.

Die beeindruckende Aussicht vom Burgberg ist mehr als eine Entschädigung für den kurzen Aufstieg.
Im Norden sehen Sie die Siedlungsgebiete an den Hängen der Kleinen Karpaten, dann die verwinkelte Dachlandschaft der Altstadt, moderne Wohn- oder Bürogebäude im Hintergrund, der Turm des Martinsdoms vor der Nasenspitze, das silbrig-glänzende Band der Donau, die dampfenden Schlote der Raffinerie Slovnaft und schlußendlich die Wohntürme der Trabantenstadt Petrzalka, die futuristische Novy Most und die sich drehenden Windräder auf österreichischem Gebiet im angrenzenden Burgenland.

Denkmal des Alexander Dubcek in Bratislava, Büste vor Springbrunnen ...Wenn man dann die Burganlage Richtung Westen beim Haupttor, dem Wiener Tor verläßt, befindet sich wenige Meter gegenüber das slowakische Parlamentsgebäude.
Mit dessen Bau wurde noch vor der Wende im Jahre 1988 begonnen und fertiggestellt war es 1994, als die Tschechoslowakei nicht mehr existierte, die Slowakei ein eigenständiger Staat war.

Der kleine Platz vor dem Parlament ist nach Alexander Dubcek benannt, dem großen slowakischen Reformer, der zumindest den Untergang der kommunistischen Regime noch erleben und überleben durfte ...